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Forderungen der kfb zur Gestaltung der Arbeitswelt

Forderungen der Katholischen Frauenbewegung Wien
an unsere politisch Verantwortlichen
zur Gestaltung der Arbeitswelt und zur Existenzsicherung

Gesellschaftliche Realität:
 
1. Frauen leisten weltweit 2/3 der Arbeit, bekommen dafür 10 % des Einkommens und haben 1% des Besitzes.
Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern wachsen; in Österreich besonders stark.
 
2. Die Kluft zwischen armen und reichen Menschen wird auch in Österreich größer. Alleinerziehende Frauen, Arbeitslose, die zweite Generation von Einwanderern sind am meisten betroffen – es gibt auch bei uns vermehrt das Phänomen der „working poor“.

3. Soziale Sicherungs- und Pensionssysteme orientieren sich an durchgehenden Lebensarbeitszeitmodellen. Das entsprach nie den Arbeitsbiographien von Frauen, und entspricht zunehmend auch nicht mehr denen von Männern.

4. Das Sozialsystem orientiert sich am lebenslangen patriarchalen Ernährermodell durch Ehe oder Lebensgemeinschaft.

5. Arbeitsverhältnisse sind zunehmend geprägt von Präkarisierung (Teilzeit, Geringfügigkeit, Scheinselbständigkeit, Mc. Jobs, . . .) und Bedrohung durch Arbeitslosigkeit. Das schafft Belastung und Unsicherheit.
Gleichzeitig gibt es eine ungerechte Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern.
 
 
Unsere Vision:
 
1. PolitikerInnen, InteressenvertreterInnen und UnternehmerInnen orientieren sich an den Lebensrealitäten der Menschen heute. Sie schaffen Anreize für eine Umverteilung der Familienarbeit in Richtung Männer und der Aufstiegschancen für Frauen. Quotenregelungen sind als Übergangslösung wichtig.

2. Als Christinnen wollen wir das „Gute Leben für Alle“ zum Maßstab für politisches und wirtschaftliches Handeln nehmen. Die Politik muss sich an den Menschenrechten orientieren – d.h. auch an den sozialen und wirtschaftlichen Rechten.

3. Materielle und soziale Absicherung von Lebensphasen, die durch eingeschränkte Selbständigkeit und/oder durch besondere Belastungen gekennzeichnet sind (Pflege, Krankheit, Gebären von Kindern, Betreuung von Kindern, Trennung, Weiterbildung, …..)

4. Eigenständige Absicherung von Frauen.

5. Ein erweiterter Arbeitsbegriff, in den die Grundversorgung des täglichen Lebens einbezogen ist. Die Erwerbsarbeit orientiert sich an der Lebenswelt der Menschen. Erwerbarbeitszeitverkürzung sorgt für Umverteilung der Arbeit zu Arbeitslosen. Umverteilung der unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern.

Wege dorthin:
 
1. Förderung von Männerkarenzen, Quotenregelungen, Gendersensible Ausbildungen (pädagogische Berufe, Universitäten, Beamte, Wirtschaft, Kirche, Interessenvertretungen, …).

2. Umgestaltung des Sozialsystems um eigenständige Existenzsicherung zu ermöglichen.

3. Anpassung des Sozial- und Steuersystems sowie des Arbeitsmarktes an die realen Lebensbedingungen der Menschen. Flexibilisierung muss sich auch an den Bedürfnissen der ArbeitnehmerInnen orientieren; Dazu brauchen wir gesetzlich abgesicherte Tages- Wochen- Jahres- und Lebens-Arbeitszeitmodelle, sowie gut ausgebaute und abgesicherte Karenzierungsmodelle.

4. Aufdeckung der strukturellen und schädigenden Abhängigkeiten. Überprüfung bestehender Sozialgesetze in Bezug auf Gendergerechtigkeit.

5. Arbeitszeitverkürzung, Einführung eines Mindestlohns in existenzsichernder Höhe, Grundeinkommen.

Die Finanzierung der Vorschläge kann in einer reichen Gesellschaft nur über eine Veränderung des Steuersystems gehen, wo die mittlerweile sehr reichen 10 Prozent der Bevölkerung einen gerechten Beitrag zum Gesamtwohl leisten. Dazu braucht es zum Beispiel die Besteuerung von Kapitalerträgen, Erbschaft, Vermögen, eine Wertschöpfungsabgabe und eine erhöhte Besteuerung umweltbelastender Ressourcen.
Für ein frauengerechtes Steuersystem ist die Beibehaltung der Individualbesteuerung und ein Ausbau der Progression bei Einkommenssteuer und Sozialabgaben notwendig.
In den beratenden Gremien ist Geschlechterparität nötig.
 
Im Bereich der Steuern muss es in der EU zunehmend Kooperation und Harmonisierung statt Konkurrenz geben.
 
Arbeitskreis Gesellschaftspolitik der kfb Wien