P R E S S E A U S S E N D U N G
Jede Frau ist Expertin für ihre Zukunftsgestaltung
Podiumsdiskussion über verantwortliches Leben bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs
Zukunftsgestaltung kann nicht nur den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft überlassen werden. Jeder Mensch sollte auf vielfältige Weise seinen Beitrag dazu leisten. Wie Frauen zum verantwortlichen Leben befähigt und zum Engagement motiviert werden können wurde im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs am Mittwoch, 15. Juli 2009, in Wien erörtert. Die Fachfrauen auf dem Podium rieten zur Bewusstseinsbildung, zur Stärkung des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, forderten Ermutigung zu Eigeninitiativen und zu Visionen genauso wie die Entwicklung einer Kultur des Widerstands oder die Bereitschaft zum solidarischen Handeln.
Die niederösterreichische Bäuerin Maria Vogt, Mitarbeiterin von Via Campesina , einer internationalen Vereinigung von landlosen LandarbeiterInnen und KleinbäuerInnen, plädierte für eine Stärkung der Eigenmacht. „Jede Frau sollte davon überzeugt sein, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen durchaus auch eine Expertin ist, die Utopien für ihr Leben entwickeln kann.“ Wenn viele gemeinsam kleine Schritte setzen, dann kann etwas bewegt werden, ist Vogt überzeugt. Wichtig sei es, WeggefährtInnen, BündnispartnerInnen zu finden, solidarisch zu sein, die Handlungen in den Alltag zu integrieren und immer wieder zu evaluieren. Entscheidend sei auch eine gut überlegte Wahlentscheidung, um die Politik zu beeinflussen.
„Initiieren sie in jeder Frau den Glauben, dass sie selbst Veränderung bewirken kann, wenn sie verantwortlich lebt“, empfahl Mag.a Monika Kalcsics der Katholischen Frauenbewegung. Die Gestalterin von Hörfunksendungen im ORF – 2005 mit dem Herta Pammer Preis der kfbö für frauenspezifische, entwicklungspolitische Berichterstattung ausgezeichnet- ist davon überzeugt, dass jeder Mensch bei sich selbst mit notwendigen Veränderungen beginnen muss.
Diese kleinen Schritte einzelner Personen können Größeres auslösen und das oft herrschende Ohnmachtsgefühl verdrängen. Die Moderatorin der Diskussion, „Welt der Frau“-Chefredakteurin Dr.in Christine Haiden erinnerte an den Ausspruch einer Gärtnerin: Alles wächst von Unten.
Weibliche Rollenstereotype überwinden
Für Mag.a Elisabeth Freytag, Leiterin der Abteilung für EU, Nachhaltigkeit und Umwelt im Lebensministerium und Gendermainstreambeauftragte des Ministeriums, sind jedoch für das eigene bewusste Handeln politische Rahmenbedingungen, wie z.B. die Gestaltung des öffentlichen Verkehrs, unerlässlich. Sie sieht in der Überwindung von Rollenstereotypen eine große Herausforderung für die Katholische Frauenbewegung, denn Frauen würden – oft auch als Folge von der Erziehung – falsche Ausbildungswege einschlagen und sich noch immer für schlecht bezahlte Jobs entscheiden. Auch darin seien die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen begründet.
Mensch in den Mittelpunkt der Wirtschaft stellen
Für die Vorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes im Burgenland, Sylvia Gartner, ist allerdings auch die Bewertung der Arbeit ein Grund für Einkommensunterschiede. Denn heute würde körperliche Arbeit höher bewertet als soziales Engagement. Für sie ist der Einsatz für Verteilungsgerechtigkeit genauso eine wichtige Zukunftsstrategie wie der Kampf um soziale Absicherung, z.B. durch ein Grundeinkommen. Gartner fordert einen Umdenkprozess in der Wirtschaft und Arbeitswelt. Nicht länger sollte alles der Wirtschaft untergeordnet werden, vielmehr müsse der Mensch im Mittelpunkt stehen.
Die Sommerstudientagung der Katholischen Frauenbewegung Österreichs steht unter dem Motto „Verantwortlich leben – heute gestalten wir das Morgen“. Für die rund 100 haupt- und ehrenamtlich tätigen Führungskräfte der kfbö ist sie ein Impuls für das kommende Arbeitsjahr, das diesem Thema gewidmet ist.
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Eleonore Bayer
Pressereferentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs
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