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Kathpress “Weder Kreuze noch Minarette politisch missbrauchen”- Nov. 2009

KATHPRESS/Schweiz/Kirchen/Minarett/Reaktionen/
 
Minarett-Verbot: “Weder Kreuze noch Minarette politisch missbrauchen”
 
utl: Kirchenvertreter in Österreich entsetzt über Schweizer Votum
=
 
Wien, 30.11.2009 (KAP) Entsetzt über das Schweizer Votum gegen den
Bau von Minaretten zeigen sich Kirchenvertreter in Österreich. Der
Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau betonte am Rande einer
Pressekonferenz in Wien, das Recht auf Religionsfreiheit werde durch
das Votum “mit Füßen getreten”. Die Situation in der Schweiz
verdeutliche einmal mehr, dass ein “Rationalitätsschub” in der
Debatte um den Islam “dringend erforderlich” sei. “Mit einer
Emotionalisierung ist niemandem gedient”, so Landau. Ob es um Kreuze
oder um Minarette gehe: “Der politische Missbrauch religiöser
Symbole muss gestoppt werden”, betonte der Caritasdirektor.
 
Auf die fatale Außen- und Signalwirkung des Schweizer Referendums
verwies im Gespräch mit “Kathpress” die Präsidentin der Katholischen
Aktion Österreich (KAÖ), Luitgard Derschmidt. So sei nun zu
befürchten, dass jene Staaten, in denen Christen wegen ihrer
Religion diskriminiert würden, “gute Argumente” aus der Schweizer
Abstimmung ziehen werden, um auch weiterhin gegen das christliche
Begehren nach öffentlicher Ausübung ihrer Religion vorzugehen.
 
Weiters ortet Derschmidt dem aktuellen Verbot eine Verkürzung der
Debatte um das Verhältnis von Staat und Religion. Diese Debatte sei
auch in der Schweiz “von Vorurteilen und nicht von aufgeklärtem
Denken geprägt” gewesen. Zugleich sprach sich die KAÖ-Präsidentin
ausdrücklich gegen eine österreichische Debatte zum Minarettbau aus:
“Es kann nicht sein, dass wir Menschen ihre Religionsausübung
verbieten. Wir wollen ja auch unsere Religion öffentlich ausüben
dürfen.”
 
Der katholische Publizist und Mitbegründer der “Plattform Christen
und Muslime”, Paul Schulmeister, bedauerte im “Kathpress”-Interview,
dass es in der Schweiz offensichtlich nicht gelungen ist, “ein
Verständnis für den vollen Sinn der Religionsfreiheit
herbeizuführen, die auch die Freiheit zum baulichen Ausdruck des
eigenen Glaubens umfasst”. Zugleich unterschlage das Votum die
Vielschichtigkeit des Islam, der aus zahlreichen verschiedenen
Strömungen bestehe. Bemühungen, einen “europäischen Islam” zu
etablieren, würden durch solche Entscheidungen konterkariert.
 
In Österreich sei die Atmosphäre zwischen Christen und Muslimen
gegenwärtig von gegenseitiger Achtung und Toleranz geprägt, so
Schulmeister weiter. Dennoch gebe es eine Tendenz zur “politischen
Radikalisierung” durch die vermehrte Verwendung von Klischees und
Feindbildern. Gegen diesen Trend müsse man sich “mit aller Macht zur
Wehr setzen”, so Schulmeister.
 
Bünker: “Alarmsignal”
 
Mit Bestürzung reagierte der evangelisch-lutherische Bischof Michael
Bünker. Das Ergebnis der Schweizer Abstimmung sei ein “Alarmsignal”
und ein Zeichen einer “Instrumentalisierung der Religionsfreiheit
für politische Zwecke”, so Bünker in einer Presseaussendung. Es
gelte, “wachsam” zu sein, damit nicht auch in anderen Ländern
diffuse Ängste auf Kosten der Religionsfreiheit geschürt würden.
Entgegen dem Schweizer Votum müsse der Bau von Moscheen und
Minaretten laut Bünker als “Zeichen für gelungene Integration”
gewertet werden, da der Moscheebau deutlich mache, dass Muslime “als
gleichberechtigte Bürger und Bürgerinnen akzeptiert werden”.
 
Eine “negative Vorbildwirkung” befürchtet der reformierte
Landessuperintendent Thomas Hennefeld. Rechte Parteien in Europa und
islamistische Kräfte erhielten durch das Minarett-Verbot Auftrieb,
“für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist das nicht förderlich”.
Im Blick auf Österreich verwies Hennefeld auf das positive Beispiel
der Bad Vöslauer Moschee. Dort sei ein durch Mediation begleiteter
“Weg des Miteinanders” gefunden worden. Von einer Volksabstimmung in
Österreich hält Hennefeld nichts, “denn über Religionsfreiheit
sollte man nicht abstimmen”. Gemeinsam unterstrichen Bünker und
Hennefeld die Bedeutung der Religionsfreiheit. Zur freien
Religionsausübung gehöre auch der Bau von Moscheen mit Kuppel und
Minaretten, heißt es in der Presseaussendung.
 
Muslime: “Trauer und tiefe Enttäuschung”
 
Mit “Trauer und tiefer Enttäuschung” reagierte die Islamische
Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) auf das Schweizer
Minarett-Verbot. “Die Eidgenossen haben damit verabsäumt, ein klares
Zeichen für Vielfalt, Religionsfreiheit und Menschenrechte zu setzen
und der Politik der Verhetzung, Ausgrenzung, Diskriminierung und dem
Populismus eindeutig eine Absage zu erteilen”, sagte der
Integrationsbeauftragte IGGiÖ, Omar Al-Rawi, laut einer
Pressemitteilung.
 
Der Weg des friedlichen Miteinanders sei die Zukunft Europas, und
die Herausforderungen der Zukunft würden nur gemeinsam gemeistert
werden. “Menschenrechte sind nicht teilbar, und Religionsfreiheit
ist ein wesentlicher Bestandteil diese Rechte”, betonte Al-Rawi.
 
O-Töne von Msgr. Landau, KAÖ-Präsidentin Derschmidt und dem
Publizisten Schulmeister können unter www.katholisch.at/o-toene
abgerufen werden.